GOÄ 806 abrechnen: Bedeutung, Voraussetzungen und typische Fehler
GOÄ 806 wirkt simpel. Ist sie aber nicht. Wer hier sauber dokumentiert und richtig kombiniert, vermeidet Honorarverlust und unnötigen Ärger.
GOÄ 806 richtig verstehen
Wenn ich GOÄ 806 abrechne, gehe ich nie nach Gefühl vor. Ich prüfe drei Dinge: Was genau wurde gemacht? Wie lange hat es gedauert? Passt die Leistung wirklich zur Dokumentation? Genau daran scheitern viele Abrechnungen. Nicht an der Medizin, sondern an der Umsetzung.
Die GOÄ 806 steht für eine psychiatrische Behandlung durch gezielte Exploration und ein eingehendes therapeutisches Gespräch, auch in akuter Konfliktsituation. Der Kern ist klar: Es geht nicht um ein kurzes Gespräch nebenbei, sondern um eine eigenständige, inhaltlich relevante Leistung mit therapeutischem Fokus.
GOÄ 806: Was die Ziffer wirklich bedeutet
Ich denke bei GOÄ 806 an ein strukturiertes psychiatrisches Gespräch mit gezielter Exploration. Das heißt: Ich frage nicht einfach nur „Wie geht’s?“, sondern ich arbeite auf ein medizinisches Ziel hin. Symptome, Belastungen, Risiken, Konflikte, Verlauf, Stabilisierung. Das ist der Punkt.
Wichtig ist die Abgrenzung zu allgemeinen Gesprächen. Ein kurzes Update, ein Small Talk oder ein organisatorisches Gespräch reicht nicht. GOÄ 806 braucht Substanz. Die Leistung muss therapeutisch sein und in der Dokumentation erkennbar werden.
GOÄ 806: Die wichtigsten Voraussetzungen
Damit GOÄ 806 sauber passt, achte ich auf diese Punkte:
- Psychiatrischer Inhalt: Es muss um psychische Beschwerden, Störungen oder akute seelische Konflikte gehen.
- Gezielte Exploration: Ich erhebe nicht nur Informationen, ich gehe systematisch vor.
- Eingehendes therapeutisches Gespräch: Das Gespräch hat einen klaren Behandlungszweck.
- Eigenständige Leistung: Die Ziffer darf nicht für ein beiläufiges Gespräch benutzt werden.
- Dokumentierte Dauer: Die Mindestdauer und der Inhalt müssen nachvollziehbar sein.
Die Bundesärztekammer beschreibt die psychiatrischen Gesprächsleistungen im GOÄ-Ratgeber sehr klar. Wenn du die Originallegende und die Einordnung prüfen willst, ist das ein guter Startpunkt: Bundesärztekammer zur GOÄ.
GOÄ 806: Wie lange muss das Gespräch dauern?
Bei GOÄ 806 ist die Zeit kein Nebenthema. Die Leistung ist an eine Mindestdauer gebunden. Ich prüfe deshalb immer, ob die Gesprächsdauer wirklich erreicht wurde. Wenn das nicht sauber passt, wird die Abrechnung angreifbar.
Mein Pragmatismus hier ist simpel: Was nicht dokumentiert ist, war abrechnungstechnisch nie sauber da. Deshalb schreibe ich kurz, aber konkret auf, worum es ging, wie der Gesprächsverlauf war und warum die Leistung medizinisch notwendig war.
GOÄ 806 und die Abgrenzung zu GOÄ 804 und 849
Hier passieren die meisten Fehler. GOÄ 806 ist nicht automatisch die erste Wahl für jedes psychische Gespräch. Ich trenne die Leistungen sauber:
- GOÄ 804: eher das eingehende therapeutische Gespräch.
- GOÄ 806: gezielte Exploration plus eingehendes therapeutisches Gespräch, auch in akuter Konfliktsituation.
- GOÄ 849: psychotherapeutische Behandlung, also ein anderer Leistungsbereich.
Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Er entscheidet darüber, ob die Leistung fachlich und abrechnungstechnisch passt. Einen guten Überblick über die Einordnung findest du auch hier: Psychiatrische und neurologische Leistungen nach GOÄ.
GOÄ 806 in der Praxis: Wann ich sie ansetze
Ich setze GOÄ 806 an, wenn das Gespräch wirklich tiefer geht. Typische Situationen sind:
- akute seelische Krisen
- depressive Symptomatik mit Gesprächsbedarf
- Angst, Überforderung oder Erschöpfung
- Konfliktsituationen mit therapeutischem Fokus
- Exploration von Risiken, Verlauf und Belastung
Wenn ich nur eine kurze Einschätzung mache, reicht das oft nicht. Wenn ich aber gezielt arbeite, Hintergründe erhebe und therapeutisch interveniere, wird GOÄ 806 relevant.
GOÄ 806: So dokumentiere ich richtig
Ich halte die Dokumentation so kurz wie möglich und so konkret wie nötig. Keine Romane. Keine Floskeln. Nur Fakten. Das spart Zeit und schützt vor Rückfragen.
Gute Dokumentation für GOÄ 806 enthält:
- Ausgangslage des Patienten
- psychische Symptomatik oder Konfliktsituation
- Inhalt der Exploration
- therapeutische Maßnahmen oder Gesprächsziel
- Dauer des Gesprächs
- medizinische Notwendigkeit
Ein Satz wie „Patient berichtet über Schlafstörung und Antriebsminderung, gezielte Exploration zu Belastungsfaktoren, Suizidalität verneint, stabilisierendes therapeutisches Gespräch geführt“ ist oft viel besser als seitenlange Prosa.
GOÄ 806: Typische Fehler, die Geld kosten
Ich sehe bei GOÄ 806 immer wieder dieselben Fehler. Die sind leicht vermeidbar:
- Zu allgemein dokumentiert: „Gespräch geführt“ reicht nicht.
- Falsche Ziffer gewählt: 804, 806 und 849 werden verwechselt.
- Zeit nicht beachtet: die Mindestdauer wird nicht erreicht oder nicht sauber festgehalten.
- Kein therapeutischer Bezug: reine Beratung statt Behandlung.
- Doppelte Abrechnung ohne Prüfung: Kombinationen werden genutzt, obwohl sie inhaltlich nicht passen.
Mein Ansatz: Erst Inhalt, dann Ziffer. Nie andersrum.
GOÄ 806 und Kombinationen
Ob und wie sich GOÄ 806 mit anderen Leistungen kombinieren lässt, hängt vom konkreten Fall ab. Das ist kein Bereich für grobe Schätzungen. Ich prüfe immer, ob die Leistungen nebeneinander bestehen können oder ob eine Leistung die andere bereits umfasst.
Gerade im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie lohnt sich ein Blick in saubere Abrechnungsübersichten. Ein praxisnaher Einstieg ist zum Beispiel die Darstellung von Abrechnungsmodellen bei IWW. Auch wenn du nicht jede Konstellation übernehmen solltest, hilft dir die Systematik.
GOÄ 806: Mein kurzer Praxis-Check
Wenn ich vor der Abrechnung stehe, gehe ich diese Fragen durch:
- War das ein echtes psychiatrisches Gespräch?
- Gab es eine gezielte Exploration?
- Hatte das Gespräch einen therapeutischen Zweck?
- Wurde die Mindestdauer erreicht?
- Ist die Dokumentation klar genug?
- Passt die Ziffer besser als 804 oder 849?
Wenn ich hier dreimal „ja“ und einmal „ich bin mir nicht sicher“ habe, prüfe ich nochmal. Genau dort liegt das Geld.
GOÄ 806: Fazit
GOÄ 806 ist keine Nebenziffer. Sie ist eine starke Position für echte psychiatrische Gesprächsleistung, aber nur dann, wenn Inhalt, Dauer und Dokumentation stimmen. Wer sie sauber nutzt, rechnet fair ab und vermeidet Diskussionen. Wer sie locker interpretiert, verliert Zeit und Honorar. Ich halte mich deshalb an einen einfachen Grundsatz: erst medizinisch klar, dann abrechnungstechnisch sauber – und so bleibt GOÄ 806 korrekt abrechenbar.